Die Orgel in Landkern wurde um 1862 von Ludwig Hünd aus Linz am Rhein erbaut. Der Entwurf für das Orgelgehäuse stammt wie die Kirche vom späteren Diözesanbaumeisters von Köln, Vincenz Statz.

Dass die Orgel mit ihren 942 Pfeifen nach 162 Jahren noch immer spielt und klingt, spricht für eine hohe, handwerkliche Qualität, mit der die Bälge, Windladen und Pfeifen von Ludwig Hünd gebaut wurden.

Unsere Vorfahren, haben uns ein Kleinod rheinischer Orgelbaukunst hinterlassen, welches nun im kommenden Jahr umfangreich restauriert wird.

Wurde die Orgel vor Jahrzehnten noch fast täglich in den Messen und Andachten genutzt, sind es heute nur noch wenige Tage im Monat an denen dieses unter Denkmalschutz stehende Instrument gespielt wird. Mit recht kann man die Frage stellen, ob sich solch eine Investition noch lohnt. Man könnte das Instrument stilllegen und stattdessen auf einem kleinen Harmonium oder E-Piano die wenigen Gottesdienste begleiten.

Zeiten der gesellschaftlichen Veränderungen wie wir sie heute erleben, bieten aber auch die Chance für Neues. Wie genau die nachfolgenden Generationen die Kirche samt Orgel nutzen werden wissen wir heute noch nicht. Die Restaurierung der Hünd-Orgel schafft aber gute Voraussetzungen, dass die Kirche in Landkern auch in Zukunft ein lebendiger Ort bleibt. Ein Raum für Gottesdienste, Konzerte, Veranstaltungen und Musikvermittlung.

Durch Recherchen kamen manche Details über das Instrument und seinen Erbauer ans Licht. Diese werden nun in den kommenden Wochen und Monaten hier präsentiert werden. Ebenso wird es immer wieder Informationen zum Stand der Restaurierung geben.

Wenn Sie dieses Projekt mit ihrem Engagement oder einer Spende unterstützen möchten, freuen wir uns freuen.

Bei der Restaurierung der Orgel müssen auch die 108 Tasten der Manualklaviaturen rekonstruiert werden. Wenn Sie die Restaurierung finanziell unterstützen möchten, können Sie gerne eine Tastenpatenschaft übernehmen. Rückseitig werden die Tasten mit den Namen der Paten beschriftet. Somit werden auch unsere Nachfahren noch erkennen, dass viele Menschen zum Erhalt der Orgel im Jahr 2026 beigetragen haben.

Patenschaft Halbton 54 Euro
Patenschaft Ganzton 108 Euro

Der Betrag kann entweder bar im Pfarrbüro Kaisersesch oder als Überweisung gespendet werden.

Katholische Kirchengemeinde Kaisersesch Heilige Maria
IBAN DE35 3706 0193 3004 1990 05
Verwendungszweck: Tastenpate

  • Verschueren Orgelbouw

    Im Frühling 2024 begannen die ersten konkreten Überlegungen zur Restaurierung der Orgel. Es wurde ein umfangreicher Maßnahmenkatalog erarbeitet. Mit dieser Grundlage wurden mehrere Orgelbauer beauftragt ein entsprechendes Restaurierungskonzept zu erstellen. Im Auswahlprozess wurden unterschiedliche Orgeln besichtigt, um ein besseres Bild von den Arbeiten der Orgelbauer zu erhalten. Zusammen mit dem zuständigen Orgelsachverständigen des Bistums Trier, Herrn Dr. Michael Meyer, wurde die Entscheidung getroffen den Auftrag an Verschueren Orgelbouw in den Niederlanden zu vergeben. Erwähnenswert sind die Aspekte der Sensibilität und der Reversibilität im Umgang mit historischen Instrumenten, die Verschueren Orgelbouw auszeichnet.

    Firma Verschueren Orgelbouw

    Die Werkstatt wurde 1891 von Léon Verschueren in Heythuysen gegründet. Zunächst überwiegend in den Niederlanden, baute die Werkstatt nach dem 2. Weltkrieg auch vermehrt Orgeln in den europäischen Nachbarländern. Bereits in den 1970er Jahren wurde ein Schwerpunkt auf die Restaurierung sowie Dokumentation historischer Orgeln gelegt. Mit diesem Wissen entstanden Orgelneubauten im „historischen“ Stil, die die Firma international bekannt machte.

    Das Unternehmen wurde von drei aufeinanderfolgenden Generationen der Familie Verschueren geführt. Seit November 2010 leitet Johan Zoutendijk den Betrieb. Im Oktober 2015 wurde die Werkstatt von Heythuysen nach Ittervoort verlegt. Zum 100-jährigen Firmenjubiläum wurde Verschueren Orgelbouw das Prädikat „Koniklijk Hofleverancier“ (Königlicher Hoflieferant) verliehen, welches anlässlich des 125-jährigen Jubiläums bestätigt wurde. Heute sind in der Firma 11 Mitarbeitende tätig, die mit ihren Qualifikationen eine umfangreicheiche Expertise im Orgelbau abbilden.

    Restaurierungsprojekte

    In den vergangenen Jahrzehnten wurden zahlreiche Restaurierungen bedeutender historischer Orgeln durchgeführt. Aus Respekt vor der Qualität der historischen Substanz wird bei der Restauriert sehr viel Wert daraufgelegt Materialien und Techniken zu verwenden, die dem historischen Vorbild entsprechen. Für die Instandhaltung und Restaurierung historischer Instrumente sind Fachkenntnisse essenziell, ebenso wie das Wissen um den kulturellen und historischen Kontext, in den das jeweilige Instrument einzuordnen ist.

    Verschueren Orgelbouw hat in den letzten zwei Jahrzehnten wichtige Erfahrungen mit deutschen Instrumenten aus dem 19. Jahrhundert gesammelt. In diesem Zusammenhang sind die Restaurierung der Rütter-Orgel (1856) in Hernen, die Rekonstruktion der Ibach-Orgel (1864) in Bergen op Zoom und die wiederaufgebauten Orgeln von Randebrock in Lottum (1881) und die von Dauzenberg in Hasselsweiler (1865) erwähnenswert. Auch die Restaurierung der Klais-Orgel in Tönisvorst (1903) und Kempen, St. Hubert (1933) zeugen von der Erfahrung mit Instrumenten dieses Stils.

  • Ein gesegnetes und frohes Jahr 2026!

    In den kommenden Wochen und Monaten werden die Planungen zur Restaurierung der Orgel weiter voranschreiten. Bereits heute ein herzliches Dankeschön allen die eine Tastenpatenschaft übernommen haben oder das Projekt mit einer großzügigen Spende unterstützen.

    Mit besten Neujahrsgrüßen

    Pfarrer Michael Wilhelm
    Jochen Braunschädel

  • Zuhören sind die Register Salicional 8′ Fernflöte 8′ und Flöte 8′ im Positiv sowie das Register Gedackt 8′ des Hauptwerks mit der Koppel Positiv an Hauptwerk. Am Ende des Stücks erklingt das Register Fernflöte 8′ alleine. Das Rauschen ist der undichten Balganlage geschuldet. Das Klappern der Mechanik ist ein weitere Grund für die dringend notwendige Restaurierung der Orgel.

    Blick auf die Pfeifen des Positiv

  • Eine Seefahrt die ist lustig, …

    Heute am dritten Advent gehen wir auf eine abenteuerliche Reise mit dem Orgelbauer Ludwig Hünd. Nach seiner Lehrzeit arbeitete Ludwig einige Jahre bei Orgelbau Bätz in Utrecht. Von dort aus reiste er am 22. November 1841 mit dem Schiff „Wilhelmina Catherina“ nach Batavia, dem heutigen Djakarta auf Indonesien. Zusammen mit der gut verpackten Orgel erreichte das Schiff nach über fünf Monaten im Mai 1842 sein Ziel. Die Montage der Orgel verzögerte sich jedoch, da die Orgelempore der Willemskerk, heute Immanuelskerk noch nicht fertiggestellt war.

    Am 16. Juli 1843 fand die Einweihung der Orgel nun endlich statt. Die Reise mit dem Schiff zurück nach Utrecht dauerte wieder einige Monate so das Ludwig Hünd am 6. Februar 1844 zurück in den den Niederlanden war. Als Lohn erhielt er 2000 Gulden, und weitere 1000 Gulden wegen des ungeplant, langen Aufenthalts in Djakarta.

    Weitere Interessante Angaben zur Orgel sind zu finden unter:

    Organ database | Complete description

  • Beginnt man damit eine Orgel genauer unter die Lupe zu nehmen, entdeckt man auf einmal Dinge mit denen man nicht unbedingt gerechnet hätte. Diese kleinen Pergamentfragmente sind eine solche Entdeckung. Auf den sogenannten Nüssen der Posaune 16’ entdecke man Fragmente einer Handschrift die wohl aus dem 14. Jahrhundert stammt.

    Dieses Pergament wurde entweder von Ludwig Hünd, oder wahrscheinlich später von einem Orgelbauer als Dichtungsmaterial zwischen „Stiefel“ und der darin sitzenden „Nuss“ verwendet. Auf den Pergamentstreifen erkennt man vier zusammengehörende Notenlinien. Die gelbe obere sowie die rote mittlere Linien geben an, wo sich die Halbtonschritte befinden. Heute verwenden wir dafür unsere bekannten Violin- oder Bassschlüssel. Die Noten sehen auch noch etwas anders aus als unsere Noten die wir heute verwenden. Diese alte Notenschrift nennt man Hufnagelnotation, da ihre Form an Hufnägel erinnert.

    Aber wie kommt diese Handschrift in die Orgel in Landkern? Dieser Frage soll in nächster Zeit noch etwas nachgegangen werden, ebenso soll geklärt werden welchen Gesängen die Noten und Texte zuzuordnen sind. Die Säkularisierung zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatte dazu geführt, dass viele Klosterbibliotheken aufgelöst wurden, somit ist zu vermuten das diese Fragmente zu einem Buch gehörten welches aus einer aufgelösten Bibliothek stammt.

  • Die Orgel von Ludwig Hünd ist ein Instrument mit zwanzig klingenden Registern auf zwei Manualen und Pedal. Die sichtbaren Pfeifen, Prospektpfeifen genannt, sowie alle weiteren Register sind dem originalen Pfeifenwerk zuzuordnen. Viele Orgeln aus der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden später grundlegend verändert, gingen im Krieg verloren oder wurden wegen neuer klanglichere Vorstellungen ersetzt. Glücklicherweise ist die Orgel in ihrer historischen Substanz weitestgehend erhalten. Es ist damit eines der wenigen erhaltenen Instrumente von Ludwig Hünd. Die Pfeifen des Violon 16’ wurden um 1900 von Orgelbau Gerhardt aus Boppard hinzugefügt.

    Ein kleines Wunder:

    Im Ersten Weltkrieg wurden zur Herstellung von Munition sämtliche aus Zinn hergestellten Prospektpfeifen beschlagnahmt und eingeschmolzen. Im gesamten Rheinland gibt es wohl weniger als 20 Orgeln mit ihren originalen Prospektpfeifen aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg. Die Orgel in Landkern gehört zu diesen Instrumenten.
    Die eingeschmolzenen Pfeifen wurden meist durch Zinkpfeifen ersetzt und für ein schöneres Erscheinungsbild mit Metallfarbe angestrichen. Bis 2024 wurde davon ausgegangen, dass es sich, auch in Landkern, um später hergestellte Pfeifen aus Zink handelt, da auch diese angestrichen sind. Johan Zoutendijk von Orgelbouw Verschueren erkannte, dass es ich um die originalen Zinnpfeifen handeln muss, auch weil die Registerbeschriftungen Ludwig Hünd klar zuzuordnen sind.

    Disposition:

    Hauptwerk C – f3

    Bordun
    Principal
    Gamba
    Gedackt
    Octav
    Gedackt
    Quinte
    Octav
    Cornett 4 fach
    Mixtur 2 – 3 fach
    Trompete Bass
    Trompete Disc.


    Koppeln:

    HW/Ped.
    Positiv/Hw.

    16’
    8’
    8’
    8’
    4’
    4’
    2 2/3’
    2’
    4’
    2’
    8’
    8’




    Positiv C – f3

    Salicional
    Fernflöte
    Flöte Disc.
    Gedackt Bass
    Gedackt Disc.
    Octav


    Pedal C – c’

    Subbass
    Violon
    Principalbass
    Posaune





    8’
    8’
    8’
    8’
    8’
    4’




    16’
    16’
    8’
    16’



  • Seit der wohl ersten Erwähnung eines Hofes mit dem Namen „Kern“ im Jahr 1051 werden im kommenden Jahr 975 Jahre vergangen sein. Seit 1512 wurde die Hl. Messe in einer kleinen Kapelle gefeiert, so dass man nicht mehr an sämtlichen Sonntagen den Weg zur Pfarrkirche nach Klotten antreten musste. Im Jahr 1862 am 22. Juli, dieses Jahr also vor 163 Jahren, weihte Bischof Wilhelm Arnoldi aus Trier die neue Pfarrkirche zu Landkern.

    Heute im Jahr 2025 zählen wir keine Feuerstellen mehr, wie noch 1563, damals waren es 14 an der Zahl. Heute Zählen wir Einwohner und kommen auf knapp 1000. Es hat sich also recht viel getan in den fast 975 Jahren. Viele Generationen von Bauern, Handwerkern, Bäckern, Metzgern, Kauf- und Wirtsleuten haben das Ortsbild geprägt.

    Dann sollten die vielen Pfarrer nicht vergessen werden, die in den vergangenen Jahrhunderten in Landkern ihren Dienst taten. Die einen wohlgeschätzt, die anderen wegen ihres unseligen Verhaltens von der Dorfbevölkerung verachtet.

    Das heute solch eine Kirche mitten im Ort steht, konnte nur durch den Willen der Einwohner gelingen. Somit ist dieser Bau auch weniger Eigentum der Institution Kirche als das Zeugnis engagierter Landkerner Bürger und Bürgerinnen. Der Glaube ist heute wohl bei den wenigsten Motivation, solch einen Bau erhalten zu wollen. Die erlebten Enttäuschungen mit der Katholischen Kirche haben ihre Spuren hinterlassen. Auch diese Entwicklung gehört zu unserer Geschichte. In unseren Händen liegt nun wie sich die Geschichte fortschreiben wird.

    Eine Stiftung die sich besonders für den Erhalt der Natur, Kultur und Denkmäler in der Eifel einsetzt ist die EifelStiftung mit Sitz in Dahlem – Kronenburg. Wir freuen uns sehr, dass die Restaurierung der Hünd-Orgel von der Eifel Stiftung mit einem Betrag von 2000 Euro unterstützt wird. Herzlichen Dank!

    Weitere Informationen zur EifelStiftung unter: http://www.eifelstiftung.de

  • sein Leben

    Ludwig Hünd wurde am 26. April 1812 in Bocholt, nahe der niederländischen Grenze geboren. Bei welchem Orgelbauer der junge Ludwig seine Ausbildung erhielt, ist nicht überliefert. Jedoch ist belegt, dass er um 1840 als Orgelbauer bei der Firma Bätz in Utrecht arbeitete. Zur Montage einer Orgel von Bätz reiste Ludwig Hünd nach Batavia, dem heutigen Djakarta auf Indonesien. Nach seiner Rückkehr 1844 arbeitete er noch bei unterschiedlichen Orgelbauern im Rheinland, bevor Ludwig Hünd um 1850 in Linz am Rhein seine Werkstatt eröffnete. Sein vormaliger Arbeitgeber, Wilhelm Sonreck aus Köln war bekannt dafür, sich zu ehemaligen Angestellten abfällig zu äußern. Besonders dann, wenn es sich um talentierte Handwerker handelte. So traf es auch Ludwig Hünd. Sein Talent und die hohe Qualität seiner Arbeit wurde jedoch trotz der anfänglichen Rufschädigung bald wahrgenommen. Es folgten, eine Vielzahl von Aufträgen für Um- und Neubauten. 1868 heiratete Ludwig Hünd Katharina Rosalie Schmidt aus Koblenz. Nach einem ereignisreichen Leben verstarb Ludwig Hünd am 26. Mai 1899 im Alter von 87 Jahren in Linz. Seine Werkstatt wurde von Johann Stockhausen weitergeführt.

    Weitere Informationen zu Ludwig Hünd finden sich in dem Artikel «Der Orgelbauer Ludwig Hünd» von Franz-Josef Vogt (Acta Organologica, Nr. 29, 2006, p. 331-358).